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Zitronenbonbon, Schreibübung (lyrisches Ich, Perspektive)

Du greifst in eine der großen Taschen deines Trenchcoats und durchwühlst sie nach einer der kleinen Plastiktütchen, von denen du nun schon seit Jahren immer eine dabei hast. Als du endlich das wohlvertraute Rascheln fühlst, entspannen sich deine Gesichtszüge und
du lächelst wie jemand, der etwas liebgewonnenes nach langem Hoffen und Bangen wiedergefunden hat. Das Tütchen ist nur noch zu einem Fünftel gefüllt mit den quietschgelben harten Bonbons, die plastikartig glänzen.
Du wiegst das Tütchen in der Hand und wirfst es ein wenig hoch, fängst es. Wirfst es noch ein Stückchen höher. Fängst es. Dieses Spielchen wiederholst du noch einige Male, bis du andächtig den Verschluss des Tütchens öffnest und langsam deine Hand bis fast auf den Grund der Tüte steckst, wobei sie leise knistert. Du lässt dir Zeit mit der Auswahl des perfekten Bonbons. Schließlich wählst du einen aus, der eine glatte Oberfläche hat, der nicht verformt ist oder Bruchstellen aufweist.
Mit der anderen Hand zwirbelst du die Tüte wieder zu und verschließt sie wieder, bevor du sie zurück in die Jackentasche gleiten lässt. Nun betrachtest du den Bonbon in deiner Hand.
Zitronengelb, rund, glänzend, makellos ist er und wird ausgiebig von
dir bewundert, bevor du ihn mit geschlossenen Augen Richtung Gesicht
bewegst.
Erst riechst du an dem Bonbon, ziehst das süße Aroma von Zitronen und Kindheit in deine Nase, stößt seufzend die Luft aus deinem Mund.
Jetzt öffnest du langsam den Mund, legst den Bonbon fast zeremoniell auf die Mitte deiner Zunge, schließt den Mund bedächtig.
Der Bonbon liegt schwer auf deiner Zunge, schwer und unbewegt, bevor du langsam an ihm zu lutschen beginnst.
Du spürst, wie die angenehme Süße deinen Mundraum erfüllt, sich
langsam bis in jede Ecke vorwagt wie auf einem Eroberungsfeldzug. Als sich dein Mund mit dickflüssiger, süßer Spucke füllt, fangen deine Zähne an, gegen den unerwünschten Eindringling zu rebellieren, zu knirschen, zu knabbern zu beißen und zerhacken den nun um die Hälfte
geschrumpften Bonbon in zwei Hälften
- malmen und zerbeißen mit aller Kraft, die deine Kaumuskeln aufbringen können,zersplittern
den Bonbon in tausend kleine Stückchen -
spitze, kleine Bonbonsplitter -

-------pieksen ins Fleisch,
schneiden ein -----"Es tut mir wirklich sehr leid."
ertönt plötzlich eine sonore Stimme.
Mit einem Ruck findest du dich in einem weißen sterilen Zimmer mit seltsamen Geräten wieder, vor dir ein Tisch und hinter dem Tisch ein kalt guckender Herr mit zurückgehendem Haaransatz und Brille, der einen weißen, steifgebügelten Kittel und ein stethoskop trägt und sich die allergrößte Mühe gibt, seinem starren Blick etwas Empathie zu verleihen -
"Herr W....?"....



"Herr W.!"
9.3.09 16:57
 


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