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Kindersterne

In einem kleinen weißen Zimmer mit himbeerenbestreuter Gardine sitzt ein Mädchen in seinem Bett und betet um sein Leben.
Als es fertig ist, legt es sich hin und betrachtet im Dämmerlicht seine Fußknöchel. Wie kleine Kartoffeln,
denkt es. Wie kleine Kartoffeln mit Haut bespannt, und bewegt seine knochigen Kartoffeln hin und her.
Man könnte sie leicht herausnehmen, kochen und essen. Weg von den Füßen, bevor jemand anders auf die gleiche Idee kommt.
Das Mädchen zählt die Sterne auf ihrer Bettdecke. Es gibt auch Monde und Sonnen,
gelb und rund wie Kartoffelchips, die das Mädchen im Bett isst, die Chips einzeln auf jeweils eine Sonne oder einen Mond legend.
Nun liegt es da im Halbdunkeln von Sternen bedeckt.
Als es noch jünger war, hat seine Mutter ihm oft vorgesungen, abends, vorm Einschlafen.
Jeden Abend betet das Mädchen um eine Verlängerung seines Lebens, und dass seiner Mutter und Schwester,
mehr nicht. Wenn man zuviel von Gott fordert, wird er böse und macht gar nichts mehr.
Seine Wimpern werden schwer wie Eisen und ziehen die Augenlieder herunter.
Das Mädchen schläft und ein Traum überschwemmt sein Gehirn.
Seine Schultern schwanken im Wind, werden hin und hergerüttelt und langsam wacht das Mädchen auf.

Seine Mutter schüttelt es und ihr Gesicht sieht aus wie verschüttete Milch.
Das Mädchen reibt sich den Traum aus den Augen und guckt fragend mit kurzsichtigen Augen, groß wie die einer Fliege und glänzend wie Oliven.
Die Mutter zieht es nach oben wie ein schlaffes Segel. Papa ist tot! Sagt die Mutter. Huch! macht das Mädchen und wirft die Hände auf den Kopf.
Das hätte ich nun gar nicht erwartet!

Denkt es.
Im nächsten Moment sieht es sich wieder auf dem Bett liegend mit seiner Mutter neben sich, die ihren Arm um es geschlungen hat wie um einen Rettungsring.
Eine Träne rollt ihm über das Gesicht. Aus dem rechten Auge. Aus dem rechten Auge kommt zuerst eine Träne, denkt es.
Interessant.
Das nächste mal muss ich wieder darauf achten, vielleicht ist das immer so mit dem Weinen.
Erst das Rechte und dann -
Und es wartet auf die nächste Träne, die nicht kommt.
Das wars wohl. denkt es, enttäuscht von sich selbst. Eine Träne,
mehr nicht.
9.3.09 16:54
 


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