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amoröses

 

2. traumpaar


asthmatisch hustend
steht ein kleiner mann am ufer
des karpfenteiches.
er stellt gerade seine atmung
auf die kiemen um
um zusammen zu leben
mit dem perlmutt schimmernden
goldfisch mit den
chromglänzenden schuppen.
9.3.09 17:03


amoröses

1.rendezvous

schweigend sitzen wir uns gegenüber
schauen uns an, sagen schrecklich lang kein word.
"ich könnte ewig in deine augen blicken",
sagst du schließlich,
"in ihnen versinken den ganzen tag."
und ich bedecke meine augen mit den händen
grabe meine finger um die äpfel,
reisse sie heraus und werfe sie auf den tisch.
ich kann es nicht ertragen
wie du
mich anschaust
und nur dein eigenes spiegelbild
in meinen augen betrachtest.

9.3.09 17:01


infantile herbstgedanken. fallende blätter, weißes rauschen.




Gott ist tot. Gott bleibt tot. Und wir haben ihn getötet.
Schreibt Nietzsche. Der nun auch tot ist.
Gott. Elvis. Buddha. Punk. Jesus. Romeo, Julia. Mutter Theresa. Allmacht. Wiedergeburt. Musik. Jugend. Erlösung. Liebe. Altruismus. Tod.
Ja, selbst der Tod ist mittlerweile an seiner eigenen Entmystifizierung still und heimlich verreckt und die Menschlichkeit liegt seit Beginn der Menschheit in einer andauernden Agonie, durchschüttelt von sardonischem Gelächter.
Was bleibt uns noch zum Anlehnen - zum Auflehnen - wenn alle Mauern zerbrochen sind? Helden, die weinen, leiden, zerbrechen. Wer soll uns noch beschützen, wenn Achilleus Sehne durchstochen ist?
Wir warten in der Leichenhalle, lenken uns von unserem eigenen Anachronismus ab, tanzen - ein Gott, der tanzen kann - doch wie tanzen, wenn man von Anbeginn Klumpfüße hat oder im Nachhinein chinesisch verschnürte Füßchen? - kopulieren, berauschen uns an einer Welt, die nicht mehr unsere ist, nie unsere war, und warten auf einen Atem, nur einen, der die Asche aufwirbelt und uns sagt, ja, nicht alles wird zu Asche, wenn ich es nicht will.
Und dich, dich liebe ich.
9.3.09 17:00


Zitronenbonbon, Schreibübung (lyrisches Ich, Perspektive)

Du greifst in eine der großen Taschen deines Trenchcoats und durchwühlst sie nach einer der kleinen Plastiktütchen, von denen du nun schon seit Jahren immer eine dabei hast. Als du endlich das wohlvertraute Rascheln fühlst, entspannen sich deine Gesichtszüge und
du lächelst wie jemand, der etwas liebgewonnenes nach langem Hoffen und Bangen wiedergefunden hat. Das Tütchen ist nur noch zu einem Fünftel gefüllt mit den quietschgelben harten Bonbons, die plastikartig glänzen.
Du wiegst das Tütchen in der Hand und wirfst es ein wenig hoch, fängst es. Wirfst es noch ein Stückchen höher. Fängst es. Dieses Spielchen wiederholst du noch einige Male, bis du andächtig den Verschluss des Tütchens öffnest und langsam deine Hand bis fast auf den Grund der Tüte steckst, wobei sie leise knistert. Du lässt dir Zeit mit der Auswahl des perfekten Bonbons. Schließlich wählst du einen aus, der eine glatte Oberfläche hat, der nicht verformt ist oder Bruchstellen aufweist.
Mit der anderen Hand zwirbelst du die Tüte wieder zu und verschließt sie wieder, bevor du sie zurück in die Jackentasche gleiten lässt. Nun betrachtest du den Bonbon in deiner Hand.
Zitronengelb, rund, glänzend, makellos ist er und wird ausgiebig von
dir bewundert, bevor du ihn mit geschlossenen Augen Richtung Gesicht
bewegst.
Erst riechst du an dem Bonbon, ziehst das süße Aroma von Zitronen und Kindheit in deine Nase, stößt seufzend die Luft aus deinem Mund.
Jetzt öffnest du langsam den Mund, legst den Bonbon fast zeremoniell auf die Mitte deiner Zunge, schließt den Mund bedächtig.
Der Bonbon liegt schwer auf deiner Zunge, schwer und unbewegt, bevor du langsam an ihm zu lutschen beginnst.
Du spürst, wie die angenehme Süße deinen Mundraum erfüllt, sich
langsam bis in jede Ecke vorwagt wie auf einem Eroberungsfeldzug. Als sich dein Mund mit dickflüssiger, süßer Spucke füllt, fangen deine Zähne an, gegen den unerwünschten Eindringling zu rebellieren, zu knirschen, zu knabbern zu beißen und zerhacken den nun um die Hälfte
geschrumpften Bonbon in zwei Hälften
- malmen und zerbeißen mit aller Kraft, die deine Kaumuskeln aufbringen können,zersplittern
den Bonbon in tausend kleine Stückchen -
spitze, kleine Bonbonsplitter -

-------pieksen ins Fleisch,
schneiden ein -----"Es tut mir wirklich sehr leid."
ertönt plötzlich eine sonore Stimme.
Mit einem Ruck findest du dich in einem weißen sterilen Zimmer mit seltsamen Geräten wieder, vor dir ein Tisch und hinter dem Tisch ein kalt guckender Herr mit zurückgehendem Haaransatz und Brille, der einen weißen, steifgebügelten Kittel und ein stethoskop trägt und sich die allergrößte Mühe gibt, seinem starren Blick etwas Empathie zu verleihen -
"Herr W....?"....



"Herr W.!"
9.3.09 16:57


schreibübung, schulzeit, 2007, lebensart.

Ich sitze vor dem Fernseher.
Seit wann?
Ich weiß es nicht.
Was ich sehe?
Auch nicht.
Ich weiß nur:
Dazwischen lagen:
eine Pizza, eine Orange;
zwei Schokowürfel.
Hell und wieder dunkel wurde es auch.
„We love to entertain you."
9.3.09 16:56


Kindersterne

In einem kleinen weißen Zimmer mit himbeerenbestreuter Gardine sitzt ein Mädchen in seinem Bett und betet um sein Leben.
Als es fertig ist, legt es sich hin und betrachtet im Dämmerlicht seine Fußknöchel. Wie kleine Kartoffeln,
denkt es. Wie kleine Kartoffeln mit Haut bespannt, und bewegt seine knochigen Kartoffeln hin und her.
Man könnte sie leicht herausnehmen, kochen und essen. Weg von den Füßen, bevor jemand anders auf die gleiche Idee kommt.
Das Mädchen zählt die Sterne auf ihrer Bettdecke. Es gibt auch Monde und Sonnen,
gelb und rund wie Kartoffelchips, die das Mädchen im Bett isst, die Chips einzeln auf jeweils eine Sonne oder einen Mond legend.
Nun liegt es da im Halbdunkeln von Sternen bedeckt.
Als es noch jünger war, hat seine Mutter ihm oft vorgesungen, abends, vorm Einschlafen.
Jeden Abend betet das Mädchen um eine Verlängerung seines Lebens, und dass seiner Mutter und Schwester,
mehr nicht. Wenn man zuviel von Gott fordert, wird er böse und macht gar nichts mehr.
Seine Wimpern werden schwer wie Eisen und ziehen die Augenlieder herunter.
Das Mädchen schläft und ein Traum überschwemmt sein Gehirn.
Seine Schultern schwanken im Wind, werden hin und hergerüttelt und langsam wacht das Mädchen auf.

Seine Mutter schüttelt es und ihr Gesicht sieht aus wie verschüttete Milch.
Das Mädchen reibt sich den Traum aus den Augen und guckt fragend mit kurzsichtigen Augen, groß wie die einer Fliege und glänzend wie Oliven.
Die Mutter zieht es nach oben wie ein schlaffes Segel. Papa ist tot! Sagt die Mutter. Huch! macht das Mädchen und wirft die Hände auf den Kopf.
Das hätte ich nun gar nicht erwartet!

Denkt es.
Im nächsten Moment sieht es sich wieder auf dem Bett liegend mit seiner Mutter neben sich, die ihren Arm um es geschlungen hat wie um einen Rettungsring.
Eine Träne rollt ihm über das Gesicht. Aus dem rechten Auge. Aus dem rechten Auge kommt zuerst eine Träne, denkt es.
Interessant.
Das nächste mal muss ich wieder darauf achten, vielleicht ist das immer so mit dem Weinen.
Erst das Rechte und dann -
Und es wartet auf die nächste Träne, die nicht kommt.
Das wars wohl. denkt es, enttäuscht von sich selbst. Eine Träne,
mehr nicht.
9.3.09 16:54


selbst

hier nun die ein oder andere aneinanderreihung von buchstaben, verfasst vor geraumer zeit (oder vor kurzem, vielleicht, je nach dem)

auf das der geneigte leser zerstreuung finden - oder zumindest wertvolle zeit verlieren möge.

 

9.3.09 16:53





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